Erinnerungen an meine Kindheit in Bovenden

 

 

37120 - das steht aus postalischer Sicht für den Ort Bovenden.

Bovenden! !!

Teil des Landkreises Göttingen,

Teil des Bundeslandes Niedersachsen,

Teil der Bundesrepublik Deutschland,

Teil der Europäische Union.

 

3406 - das stand aus postalischer Sicht für den Ort Bovenden, bevor ganz Deutschland mit dem Werbeslogan 'Fünf ist Trümpf' auf die am 1. Juli 1993 eingeführten fünfstelligen Postleitzahlen eingestimmt wurde.

3406 lautete natürlich auch die Postleitzahl, als meine Eltern Bovenden im Jahr 1964 zum Lebensmittelpunkt der Familie machten. „In der 'kalten' Heimat“, wie mein Großvater kommentierte. Ich vermute, er wird wohl darauf angespielt haben, dass gerade in Bovenden viele während des zweiten Weltkrieges Vertriebene einen neuen Platz, eine neue Heimat für ihre Familie finden konnten.

Die Eltern, vier Kinder und eine Oma packten in einem neu aufgestellten Fertighaus, dessen vorgefertigten Elemente direkt aus Schweden geliefert worden waren, im Neubaugebiet 'Hinter dem Lohberge' ihre Habseligkeiten aus. Eine kleine Stichstraße mit dem gefälligen Namen eines Nadelbaumes wurde für sehr viele Jahre eine geschätzte und beschützende Heimat.

 

Ob mit Postleitzahl 3406 oder 37120 – viele Jahre war der Kernort Bovenden mein Zuhause. Bis ich dann nach knapp zwei Jahren 'Fremdwohnen' in einem Mietshaus mit Blick auf den Groner Friedhof, und auch mit Blick auf das Grab meines Großvaters, wieder den Weg zurück nach Bovenden, nun jedoch hinter den Schweineberg unter den Schutz der Burg Plesse, finden durfte.

 

Immer aber, wenn ich nun fast täglich in Bovenden unterwegs bin, Familie besuche, dem Friedhof einen Besuch abstatte, einen Arzt konsultiere, in Geschäften oder auf dem Wochenmarkt einkaufe, ein Restaurant besuche: immer aber sind so viele Erinnerungen mein ständiger Begleiter.

Vieles, was schon lange nicht mehr existent ist, erscheint mir dennoch so präsent, als wenn ich es gestern erlebt, als wenn es gerade gestern erst gewesen wäre!

Aber meine Erinnerungen sind dennoch verschwommen, geraten in meinem Zeitgefüge und auf der Zeitachse durcheinander, sind teilweise nur schwer einzuordnen. Viele Namen sind mir entfallen, müssen mühsam rekapituliert werden, andere dagegen sind einfach so wie selbstverständlich da!

Und trotzdem möchte ich nun eine kleine Reise in meine Vergangenheit in diesem Bovenden, 'meinem' Bovenden, versuchen.

Es wird, so hoffe ich, eine kleine Entdeckungstour, die irgendwo auf der Zeitachse in der über tausendjährigen Geschichte von 'Bobbenzunon' beginnt und irgendwo auf dieser Zeitachse wieder endet. 'Bobbenzunon', so lautet übrigens der erste überlieferte Name für eine Siedlung, die sich im Laufe der Jahrhunderte zu diesem respektablen Ort namens Bovenden entwickelt hat.

 

Heute, im Jahr 2021, bildet noch immer die 'Göttinger Straße' die Hauptverkehrsader durch Bovenden. Das war im Jahr 1964 nicht anders, aber natürlich doch anders!

Denn, auch wenn es aus heutiger Sicht kaum vorstellbar erscheint, gab es die 'neue B 3' noch nicht. Es gab keine Entlastungsstraße, keinen Tunnel, sodass sich der gesamte Auto- und LKW-Verkehr von Northeim kommend nach Göttingen und von Göttingen nach Northeim mitten durch Bovenden quälen musste. In der Folge natürlich auch Richtung Norden durch Angerstein und Nörten-Hardenberg, Richtung Süden dann durch Weende. Das ist in der Rückschau nicht mehr vorstellbar und klingt für uns ein wenig wie blanker Horror.

Wenngleich heute auch gelegentlich verklärt romantisch angehauchte Erinnerungen ausgetauscht werden:

Kannst du dich dich denn noch daran erinnern, da unten, wo die Straße nach Rauschenwasser auf die Göttinger Straße mündet, da war doch früher einmal der Plackkrug.“

Und dann sucht man nach einem Foto in einem der Bücher über den Ort, vielleicht findet sich auch noch eine alte Ansichtskarte?

Ja, die Bushaltestelle trägt ja noch den Namen, aber der Plackkrug – mein Gott, wie lange ist das denn her?“

 

Aber es gab natürlich auch damals schon Anzeichen von verkehrstechnischer Überlastung.

Besonders sind mir da einige Wintertage noch deutlich in Erinnerung, wenn nach ersten -wie auch heute noch: plötzlichen!- Schneefällen die zu der Zeit durchaus ganzjährig sommerbereiften PKW am Weender Berg reihenweise kapitulieren mussten, bzw. nur mit großer Not und tatkräftiger menschlicher Hilfe die Steigung meistern konnten. Das hatte natürlich einen gigantischen Rückstau zur Folge. So, dass für unseren Vater auf dem Weg zur Arbeit, der auch schon einmal die Kinder eigentlich in Göttingen zum Schulbesuch absetzen wollte, die Fahrt nach dem Abbiegen aus der Straße 'Hinter dem Lohberge' noch ein paar Meter Steinweg gerade bis zur Gärtnerei Peters zügig vonstatten ging, um dann abrupt in ein Stopp-and-Go bis mindestens zum Weender Berg zu wechseln. Ein pünktliches Erscheinen zum Arbeits- und zum Unterrichtsbeginn war da natürlich unmöglich!

 

Aber bevor die Kinder eine weiterführende Schule in Göttingen besuchen konnten, war natürlich die Grundschule Bovenden zu meistern.

Anfangs lautete die Adresse noch etwas abenteuerlich, ursprünglich, ja ein wenig mystisch 'Wurzelbruchweg', später wurde dieses Straßenstück dem wenig verheißend klingenden Südring zugeordnet.

Das Schulgebäude im Jahr 1965, krankheitsbedingt mit einigen Tagen Verspätung von mir betreten, hat sich im Grunde genommen bis heute, zumindest von außen betrachtet, nicht sehr verändert. Der heute nicht nur durch einen Grünstreifen, sondern auch noch durch einen Zaun vom Weg getrennte Schulhof aber ist inzwischen wesentlich freundlicher und für die Kinder abwechslungsreicher gestaltet. Damals gab es lediglich die in unterschiedlicher Höhe als Achteck angeord-neten Turnstangen, deren ursprüngliche Farbe zwar abgeblättert aber dennoch noch gut erkennbar ist, die zwei durch Querstreben miteinander verbundenen bogenförmigen Metallrohre und den mit einem 'Pilzdach' behüteten Kletterturm. Doch natürlich waren diese Spiel-, bzw. Turngeräte schon eine ganze Menge für uns kleinen Menschenkinder.

Heute jedoch gibt es auch noch einen schönen Erdhügel, der mit Holzelementen ausgestattet ist, die bestimmt auch ausgiebig genutzt werden, um überschüssige Energie abzubauen und Lebensfreude aufkommen zu lassen.

Und so sieht der Schulhof inzwischen doch etwas mehr nach Leben und ein wenig auch nach Abenteuer aus.

Aber halt, das darf ich nicht vergessen:

Es gab schon zu meiner Zeit die noch heute vorhandene direkt an den Schulhof grenzende Abtrennung des Flures zu den Umkleideräumen und dem Eingang der Turnhalle. Diese aus Glasbauelementen erzeugte Wand war der Ort, wo die 'interessanteren' Jungen von den Mädchen nebeneinander aufgestellt wurden. Um dann von diesen Mädchen singend in einem Klatschspiel 'umworben' zu werden:

 

„16 Jahre sind vergangen und der ... muss zum Militär.

Er muss sich vor dem Hauptmann stellen und seine ... weint so sehr.

Ach ... weine, weine nicht, Dein Schatz vergisst, vergisst Dich nicht.

Er muss zum Mili- Militär und das ist schwer, komm her.
Sie schrieben viele Briefe auf einmal gar nicht mehr.

Im letzten Brief da schrieb er, ich liebe Dich nicht mehr.

Ich liebe eine andere, die schöner ist als Du

und die soll heißen … ,die ganz verrückte Kuh.

 

Ja, so ähnlich, wie ich es auf einer Seite im Internet wiederentdeckt habe, werden die Mädchen wohl gesungen haben!

 

Und wenn an dem inzwischen nicht mehr als Schule genutzten Gebäude in Eddigehausen der Spruch noch mahnt: „Nicht für die Schule lernen wir, sondern fürs Leben“, so galt das auch für meine Zeit an der Grundschule Bovenden.

Noch heute empfinde ich die meinen Hinterkopf 'berührende' Hand meiner Lehrerin der ersten Klasse als sehr ungerecht – ich hatte 'geschwatzt', mit meinem Freund Thomas … .

Aus heutiger Sicht wurde ich dann aber mit einem wohl im gleichen oder darauf folgenden Schuljahr stattfindenden Wandertag zur Burg Plesse entschädigt!

Eine Horde kleiner Menschenkinder machte sich da auf, um vielleicht ein großes Abenteuer zu erleben, um aus Sicht ihrer Pädagogen die Heimat zu erkunden.

Aber es war doch ein Abenteuer! Denn natürlich waren wir damals sicherlich nicht nur als ein Sack Flöhe, sondern auch als ForscherInnen unterwegs. Und ganz verschwommen und tief in meinen Erinnerungen taucht da ein so kleines Hämmerchen auf – es wird bestimmt zu meiner persönlichen Ausrüstung gehört haben, um nach Versteinerungen zu suchen. Denn an manchen Stellen am Weg durch den Wald lagen die Kalkablagerungen des Plesseberges frei und waren gut zugänglich. So, wie auch heute noch Kinder am Parkplatz an der Burg Plesse auf einen großartigen Fund hoffen, waren auch wir im Wald auf der Suche. Und tatsächlich sollte ich mit einer Trophäe belohnt werden, durfte ich am Ende einen gut erhaltenen Muschelabdruck aus den Kalkablagerungen mein eigen nennen dürfen. Wie stolz war ich damals!

Allerdings entfaltet erst heute, nach unzähligen Wanderungen, bzw. Spaziergängen durch den Plessewald zur Burg, dieser Wandertag mit der Grundschulklasse von Frau Haake seine zukunftsweisende und schicksalhafte Bedeutung für mich!

Was für ein großer Bogen des 'Schicksals' für mich gespannt wurde, dass ich in den seit dem Tag vergangenen vielen Jahren immer und immer wieder diesen Weg durch den Wald gehen durfte und auch noch immer darf! Und darüber hinaus auch noch jetzt diesen vom Plessewald schützend umgebenen kleinen Ort meine Heimat nennen darf!

 

Doch noch war für mich Grundschulzeit: Und manchmal gab es dort auch Sonnenschein!

Vor dem Schulgelände wurden die kleinen Blättchen des Missionswerkes von Werner Heukelbach mit dem Titel 'Sonnenschein' verteilt, luden mit christlichen Botschaften zum Glauben und zu Besuchen von Veranstaltungen einer sich der christlicher Mission verschriebenen Familie ein.

Einer dieser 'Sonnenscheine' hat tatsächlich die vielen Jahre überdauert und ist mir noch immer treue Erinnerung.

Ob diese Aktionen das Wohlwollen des damaligen Schulleiters Spangenberg fand, mag ich heute bezweifeln. Er war ein kleiner Mann mit kurz geschorenen Haaren, neckisch und aber doch auch liebevoll 'Mecki' genannt. Noch immer habe ich ihn vor Augen, wie er vom Balkon seines Hauses dem vorbeiziehenden Kirmesumzug freundlich zuwinkte.

Neben Herrn Spangenberg, der sich auch als Sportlehrer um eine besondere Förderung seiner Schützlinge bemühte, war natürlich noch der Schul-Hausmeister Orlowsky in seinem grauen Kittel von uns Kindern sehr geachtet. Der wohnte in dem direkt neben der Schule stehenden Haus.

 

Mögen sich die Sorgen und Nöte der Schüler und Schülerinnen von damals und heute in vielerlei Hinsicht ähneln, so gab es zu meiner Grundschulzeit ein Problem noch nicht: die Zahl der sogenannten Elterntaxis und die daraus resultierenden Verkehrsprobleme. Denn um das Jahr 1965 war zwar die Zahl der Neubürger merklich gestiegen, war ein Auto für die Verbindung Richtung Göttingen zwar unerlässlich, aber es gab in den vielfach jungen Familien damals eben nur ein Auto. Und war dieses KFZ auch das Familienauto, wer fuhr damit wohl zur Arbeit … ?

 

Wie dem auch gewesen sei, es war für uns Knirpse und Knirpsinnen ganz selbstverständlich, dass wir unseren Schulweg in beide Richtungen per Pedes zurücklegen mussten. Oder etwa durften? Morgens und mittags zuckelten wir los, vom Gebiet 'Hinter dem Lohberge', vom Bereich Mühlenweg -auch von ganz am Ende-, aus der Kantstraße, Goethestraße, aus dem 'Unterdorf', später auch aus der Stettiner, Danziger und Königsberger Straße. Den kürzesten Schulweg hatten allerdings die MitschülerInnen, die in den schlichten Häusern nahe der Schule wohnten. Dort, wo heute der in den Südring mündende zum Ortszentrum gehörende Parkplatz liegt.

Für alle von uns aber galt ausnahmslos: Bei Wind und Wetter in die Schule laufen, nach Schulschluss wieder zurück nach Hause laufen.

Anfangs waren es für uns Kinder anspruchsvolle Wege, mit länger werdenden Beinen und Schritten, wurde es aber erträglicher. Und es gab ja noch die diese Wege mitlaufenden MitschülerInnen. Und so bildeten und verfestigten sich mit der Zeit ja auch Freundschaften. Mitunter auch Freundschaften, die später noch über das Gymnasium hinaus bis in eine gemeinsame Zeit an der Universität reichten. Und die vielleicht ja noch bis ins Heute reichen würden, wenn nicht auch tragische Unglücke -Thomas, warum hast du nicht besser auf dich achten können?- aus langen Freundschaften nur noch Erinnerungen an viele gemeinsame schöne Erlebnisse machen würden!

Aber es gab auch Differenzen unter den Mitschülern! Ich erinnere ich mich noch recht genau daran, dass sich nach einem angeblichen 'Schubsen' eine solidarische Verteidigungstruppe mit Schaufel und anderen Gartengeräten bewaffnete, um den drohenden Feldzug der anrückenden 'Rächenden' abzuwehren. Die daran Beteiligten? Karl-Heinz, Hubertus, Thomas, ich und noch einige 'Kämpfer', deren Namen mir nun aber doch partout nicht mehr einfallen wollen.

 

Mit fortschreitender Schulzeit wurde natürlich der Lehrstoff anspruchsvoller. Die musikalische Ertüchtigung sollte mit einer Aufführung in der Aula vor Eltern gipfeln. Und so wurde mühevoll eine Aufführung des Stückes 'Der kleine Dicke und der große Dünne' erarbeitet und geprobt. Dieses Stück basierte auf dem Ansatz von Carl Orff zur musikalischen Erziehung von jungen Menschen mit besonderen Instrumenten, also waren diese entsprechend zahlreich im Einsatz. Für mich war die Triangel vorgesehen …

Da ich in der Aufführung, die all' die Arbeit und Mühe der angehenden Musiküsse und Musiküssinnen krönen sollte, aber einfach so meinen Einsatz zum Ertönen lassen dieses feinen Klanginstrumentes verpasste, war meine musikalische Karriere schon in einer frühen Lebensphase endgültig gescheitert. Nie wieder hat sich dieser Teil meiner Künstlerseele von der damaligen Schmach erholen können! Oder wollen?

 

Eher schon nahm ich in diesem Teil meiner Schulzeit Kontakt zur Literatur auf, wenngleich zunächst etwas schmerzhaft.

Ein Trakt des Schulgebäudes am Wurzelbruchweg hatte mehrere Stockwerke und, zumindest in meiner Erinnerung, ein großes Treppenhaus, dessen an den Wänden entlang geführte Treppe einen Innenbereich freiließ. So hätte es, weil damals noch ohne Sicherungsnetze oder ähnliche Schutzmaßnahmen ausgestattet, natürlich auch unschöne Abstürze geben können. Allerdings gab es zur Sicherheit entsprechende Anweisungen des Lehrpersonals in Richtung SchülerInnen.

Doch das hatte da wohl ein Kind nicht gehört? Da hatte ein Kind oben im Treppenhaus ein wenig Anlauf genommen um dann auf dem Geländer nach unten zu rutschen.

Weit war die von mir geplante Rutschpartie allerdings nicht geglückt, sie wurde abrupt von der respektablen Erscheinung der Lehrkraft Carl Heinz Kurz beendet. Mit einer 'handfesten' Belehrung über die große Gefahr, in die ich mich leichtfertig begeben hatte, hatte Herr Kurz wahrscheinlich seinem Schrecken Ausdruck verliehen.

Viele Jahre später kreuzten sich unsere Wege dann noch einmal, wenngleich nur ich mich an die Begebenheit im Treppenhaus der Grundschule erinnert haben werde. Ich sie von mir aus allerdings auch nicht erneut thematisierte.

Im Jahr 1981 jedenfalls wurde Herr Kurz, inzwischen hatte er die Gründung des 'Autorenkreises Plesse' initiiert, auf meine schriftstellerischen Versuche aufmerksam geworden und ermöglichte mir eine Gast-Teilnahme an der jährlichen Lesung der Literaten und Literatinnen im Bürgerhaus Bovenden!

Das war eine sehr spannende, schöne und mich wirklich würdigende Geste, für die ich Herrn Kurz noch heute zu großem Dank verpflichtet bin.

Vor allem erhielt ich dann auf Veranlassung von Herrn Bürgermeister Karl-Heinz Lies sogar noch eine Einladung zum Neujahrsempfang der Gemeinde Bovenden, eine damals tatsächlich noch nicht für alle interessierten Bürger offene Veranstaltung.

Auch hier darf wieder festgestellt werden: Wie spannend sich manche in unbedeutendem Gewand daherkommenden Begebenheiten nach vielen Jahren entwickeln und welche Bedeutung sie erlangen können!

 

Nach Schulschluss und nach Erledigung der Schularbeiten gab es im Bovenden meiner Jugend sehr viel zu entdecken! Immer wieder entstanden neue Häuser, zogen Rohbauten uns Kinder magisch in ih-ren Bann, warteten Betonrohr-Elemente auf ihre Verwendung für die Erweiterung des Abwasser-systems und unsere Eroberung, war der Lohberg mit dem Judenfriedhof unser Revier!

Anfangs zu Fuß, dann mit dem Roller, später mit dem Fahrrad – wir erkundeten alles, was es zu erkunden gab! Und wenn sich dann die entsprechenden Spuren an Kleidung und Körper festge-setzt hatten, lag die Lösung auf der Hand:

Die Lederhosen, in Rot für die kleine Schwester und in dunkelgrünem glatten Leder für mich, wurden einfach im Keller abgestellt, die Geschwister dagegen wurden, zumindest in ihren jungen Jahren, gemeinsam in die Badewanne verfrachtet und abgeseift.

 

Wohl ungefähr zu der Zeit, als der gemeinsame abendliche Badespaß für die jüngeren Geschwister nicht mehr angemessen war, gab es eine praktische Erfindung in unserer Familie: Uns Kindern wurde unter anderem nach den Expeditionen durch unser Abenteuerland zweckmäßiger Weise nahegelegt, bzw. für uns festgelegt, den Kellereingang des Hauses zu benutzen. Allerdings wurden wir nicht mit einem Schlüssel ausgestattet, also musste eine andere Lösung her. Und so wurde ein Band gehäkelt, das dann an einen Schlüssel für die Kellertür geknotet wurde. Und immer, wenn der Nachwuchs sich durch den der unserer Familie eigenen aus drei Tönen bestehenden Pfiff ankündigte, ließ unsere Mutter dann diesen Schlüssel am Band vom über der Kellertür liegenden Küchenfenster zu uns hinunter – sehr praktisch war das!

Unser 'Familienpfiff' war aber auch bei anderen Gelegenheiten äußerst nützlich und hilfreich und hat uns viele Jahre begleitet.

 

Was uns Kinder in diesen Jahren unserer Jugend im neueren Teil von Bovenden aber wohl besonders geprägt hat, war unsere Freiheit. Wenn es in Bovenden zu jener Zeit einen Kindergarten gegeben haben sollte, war das nicht unsere Welt. Alle Eltern unserer Freunde, Freundinnen, Spielgefährtinnen und Spielgefährten hatten die gleichen Vorstellungen, wie sich ihr Nachwuchs wohl entwickeln sollte. Es gab keine großen Absprachen, alle Eltern ließen uns einfach los. Nachmittags zogen wir herum, von einem Haus mit Garten zum nächsten, hier oder dort war gerade richtig und gut. Mal hatte mich die kleine Schwester im Schlepptau, mal war sie bei meinen Freunden mit dabei. Und manchmal stromerten wir auch einfach so durch die Gegend, insbesondere als das Fahr-rad den Bewegungsradius erheblich erweiterte.

Unsere Eltern wussten dann auch nicht wirklich, wo wir uns gerade herumtrieben. Sie schienen sich aber auch keine ernsthaften Sorgen zu machen. Ich denke, wir bekamen eine Uhrzeit mit auf den Weg, zu der wir zuhause sein sollten, wann es Essen geben sollte, das reichte. Und vielleicht hatten wir ja auch schon eine eigene Uhr? Oder sonst konnten wir einfach fragen, in jedem Haus gab es ja Uhren, nicht nur Erfrischungen und mancherlei andere süße Dinge. Und weit konnten wir ja nicht sein, darauf vertrauten alle unsere Eltern.

Gelegentlich kam dann zwar auch mal ein Telefonanruf: „Ist Thomas noch bei Ihnen, wir wollen jetzt essen?“. OK, dann hieß es für meinen Freund: jetzt aber schnell die drei Straßen den Berg hoch.

Aber alles war gut damals, sehr gut.

Wir waren irgendwie schon behütet, aber wir waren auch frei …

Natürlich gab es für uns auch die verschiedensten Angebote zur sportlichen Betätigung, z.B. im BSV. Oder auch eine musikalische 'Erziehung' war natürlich möglich. Damals war vor allem für die Mädchen ein Instrument ganz schwer in Mode: Die Melodika! Das Spielen dieses Instrumentes wurde im Hause Kuhlmann gelehrt und in vielen Kinderzimmern fleißig geübt.

Das alles waren Angebote unser Eltern an uns, aber wir durften mit entscheiden. Und auch in dieser Hinsicht waren wir recht frei ...

 

Damit die nicht gerade kleine Familie funktionierte, hatten wir allerdings auch unsere Aufgaben!

Zum Beispiel, wenn 'Moses' die Glocke erklingen ließ. Warum Herr Quentin 'Moses' genannt wurde, ob dieser Spitzname überhaupt außer in unserer Familie benutzt wurde, kann ich nicht sagen. Aber wenn die Glocke erklang, dann mussten die Kunststoff-Milchflasche geschnappt und die Beine in die Hände genommen werden. Denn irgendwo in der Grünberger Straße, im Ahornweg, oder einer der anderen nahen Straßen stand sein Ford Transit. Die Klappe an der Seite war geöffnet und Herr Quentin bot die nötigsten Artikel für die Neubürger an, die nicht den Weg vor den Berg zu einem der kleinen Geschäfte zurücklegen konnten oder wollten. Oder die aber eben die frische Milch schätzten, die dort mit leichten Hebelbewegungen in die mitgebrachten Kannen gezapft wurde. Ob wohl immer die Milch heil zu Hause abgeliefert wurde, ob vielleicht ein zu schnelles Laufen oder ein Stolpern dem Genuss ein vorschnelles Ende bereitet hat, daran kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, das kann ich vielleicht eher erahnen …

 

Doch natürlich musste die Versorgung der Familie, die ja anfangs aus Eltern, vier Kindern und einer Oma bestand, schon vernünftig geplant sein. Ich habe es noch durchaus sehr präsent, dass es in Bovenden mehrere kleinere Lebensmittelgeschäfte gab. Da gab es das Geschäft von Familie Kuchenbuch. Das Ehepaar verkaufte dort ein wohl eher kleines Sortiment dort, wo heute im unteren Bereich des Feldtorweges die Änderungsschneiderei zu finden ist.

Noch immer sehe ich den kleinen roten Lutscher mit weißen Stiel, den ich an der Kasse geschenkt bekam!

Ganz am Ende des Mühlenweges war 'VIVO' zu finden – das lag für unsere Familie allerdings nicht strategisch günstig – haben wir dort jemals Einkäufe getätigt?

Aber es gab ja auch noch das Ladengeschäft von Familie Quentin! Auch am Feldtorweg gelegen, gehörte es zur Edeka-Gemeinschaft. Und wenn er nicht mit dem Ford Transit zu seinen Kunden fuhr, dann saß Herr Quentin an der Kasse seines Geschäftes oder war mit Räumarbeiten zwischen den Regalen beschäftigt. Später wurde dann sogar noch ein zweites Geschäft am der Ecke Steinweg/Plesseweg eröffnet. Der Ford Transit hatte somit natürlich ausgedient.

Schräg gegenüber von Edeka im Feldtorweg bot Familie Schaffron im SPAR-Markt ebenfalls ein ordentliches Sortiment mit Dingen des täglichen Bedarfs an. Auch dort war der Einsatz der Familie Voraussetzung für den Erfolg.

Und sogar ein Automat für die kleinen PEZ-Bonbons und die entsprechenden Spender war von diesem Markt positioniert! Anmerken muss ich aber, dass mein Taschengeld an anderer Stelle investiert worden sein muss ...

Irgendwo im 'Unterdorf', dessen Grundriss wir zwar in der Grundschule zeichneten, das aber für mich doch ein wenig 'ferne unbekannte' Welt darstellte, hat es wohl noch einen weiteren SPAR-Markt gegeben.

 

Irgendwann eröffneten dann in Göttingen die ersten Supermärkte, die für große Familien durchaus attraktiv waren, mit ihrem breiten Angebot: Löb, Bono – mit die ersten Märkte dieser Art, für die eher kleinen Bovender Händler waren es sicherlich Namen des Schreckens! Und der unaufhaltsame Siegeszug dieser großen Märkte produzierte selbstverständlich auch Verlierer, für Bovenden hießen sie Quentin und Schaffron. Heute sind Supermärkte auch schon lange Zeit in Bovenden ansässig und nicht mehr wegzudenken.

Wenngleich auch der Bovender Markt am Freitag noch, oder besser wieder, eine wohltuende Alternative bietet.

 

Auch am Feldtorweg gelegen fand sich das Malergeschäft Dietrich. Bis in mein Erwachsenenalter hinein war Herr Dietrich in der Lage, selbst ausgefallene Bedarfe und Wünsche nach besonderen Artikeln zu erfüllen. In unserer Familie war es fast schon ein geflügeltes Wort, erst einmal bei Herrn Dietrich nachzufragen!

 

Die Versorgung mit Brot und Kuchen ließ auch damals schon keinen Wunsch offen! Zum einen hatten die Bäckereien Seifert und Könecke im Bovender Altdorf ihren Standort, um die einheimischen Bürger mit frischen Backwaren zu versorgen. Daneben war auch die Bäckerei Sintram jenseits der Göttinger Straße ansässig, die jedoch für die Kunden einen besonderen Service bot. Für diejenigen, die sich den Weg ins alte Bovenden nicht machen wollten, kamen die Backwaren einfach nach Hause. Samstags wurden aus einem kleinen Pkw-Anhänger heraus Brot und Kuchen vom Blech verkauft. Das Brot natürlich noch ofenwarm und auch der Kuchen frisch aus dem Backofen.

Da meine eigene Erinnerung an einen im Altdorf Bovenden ansässigen Schlachter leider sehr blass ist, muss ich mich auf Hinweise von lieben Mitmenschen beziehen! Und so wird es die Schlachterei Olfenbüttel gewesen sein, die frische örtliche Ware feilbot.

Das war auch die Zeit, als es noch Flaschenbier bei privaten Anbietern zu kaufen gab, ein Schild am Gartentor oder am Haus wies auf die angebotene Marke hin. Mancher Vater bekam von dort die eine oder andere Flasche, denn an den Kauf eine ganzen Kiste war überhaupt nicht zu denken!

 

Bovenden war aber auch anderweitig gut gerüstet. Gelegentlich war, nach einem Besuch in der Praxis von Dr. med. Erich Bartlau, der tatkräftig von seiner Frau am Empfangstresen unterstützt wurde, oder wenn eines der Kinder ans Bett gefesselt war, nach einem Hausbesuch, der im Zweifel auch abends um 22:00Uhr noch stattfinden konnte, ein Medikament nötig. Jenseits der Bahnlinie befand sich dann die passende Apotheke, ich glaube, es war damals schon eine 'Burg-Apotheke'? Dort, wo sich die Straßen 'Breite Straße' und 'Im Bache' treffen, hatte Herr Anschütz viele Medikamente im Angebot. Und sogar auch Notfallgeschenke bot er feil, wenn nämlich einmal ein Ehemann den Muttertag vergessen hatte, dann gab es dort 'Klosterfrau-Melissengeist' zu erwerben. Doch der gewünschte beruhigende Erfolg war nicht garantiert …

Für die Kinder dagegen gab es dort schrecklich schmeckende Säfte zur Stärkung: Sanostol sollte uns Kindern gut tun – ich glaube, es war nicht mein Favorit!

Für weitere Lebenslagen bot auch Luise Glotz in meiner Kinder- und Jugendzeit in ihrem Ladengeschäft, an der Ecke Feldtorweg und Göttinger Straße, Zeitschriften und Schreibwaren an. Schulbücher und Ausstattung für unseren Schulalltag gab es dort natürlich auch.

Strategisch günstig, gleich um die Ecke im gleichen Haus mit dem Eingang von der Göttinger Straße, verbarg sich die Bovender Post. Klein und beschaulich – aber immerhin konnte ich dort 1974 mein Honorar in Höhe von DM 10,00 für einen kleinen auf der Jugendseite des Göttinger Tageblattes abgedruckten Text einlösen!

Später wurden mir dort übrigens Verkehrsregeln durch den Fahrlehrer Frommhold beigebracht, bevor sich dann dieser Eingang der Immobilie nicht mehr für Publikum öffnete.

Gegenüber, auf der Ecke Göttginger Straße und Feldtorweg befand sich das Stammhaus der Firma Gassmann, dort wurden LKW instand gesetzt und zum Verkauf angeboten – ist das heute überhaupt noch vorstellbar?

Auf der anderen Seite, Richtung Göttingen wurde nicht nur an einer Tankstelle Kraftstoff für die Mobilität angeboten. ARAL dort, wo heute Backwaren verkauft werden, ESSO dort, wo heute ARAL als Marke präsent ist!

Was heute bei den Kraftstoffanbietern wohl undenkbar ist: Beim Tanken gab es damals immer wieder einmal diverse Beigaben! Bei Aral gab es z.B. hochwertige großformatige Drucke von Oldtimern, einzeln in einer schützenden Folienhülle. Und wer nicht noch solch ein gutes Stück von damals in seinem Besitz hat, kann heutzutage alte Originale tatsächlich wieder bei Internetauktionen ergattern.

Und gegenüber der ehemaligen ARAL-Tankstelle konnte man sich vom Zahnarzt Dr. Reinhold und vom Frisör Weinert, je nach Sichtweise und Tagesform, verschönern oder quälen lassen. Eine wirklich nachhaltige Erinnerung müssen diese Herren bei mir hinterlassen haben, dass ich ihre Namen ohne nachzudenken notieren kann!

Noch ein Stück weiter Richtung Göttingen führt ein Weg Richtung Bahnlinie. Dort befand sich die Müllkippe von Bovenden, bzw. eigentlich ist sie ja noch immer dort gelegen, nur halt nicht mehr genutzt. Erkennbar ist diese Lagerstätte noch recht gut an ihrer rechteckigen Form direkt am Bahndamm, bewachsen mit allerlei Bäumen – wahrscheinlich eine Oase für Insekten, Kleintiere und Vögel. Nur an der oberen Erdschicht wird man wohl nicht kratzen dürfen!?

 

Aber mit der Zeit wurde Bovenden größer und veränderte sich sogar aus Sicht derjenigen, die erst vor wenigen Jahren zugezogen waren. Das alte Rathaus am Thie hatte ausgedient und wurde durch einen Neubau im neu entstehenden Ortszentrum ersetzt. Dort war Platz genug für eine neue Apotheke, eine Schlachterei, einen Buchladen, den lange Jahre Familie Appel betrieb. Aber auch weitere Geschäfte konnten sich dort niederlassen. Nicht zuletzt fand sich dort auch als erster Discounter ein ALDI-Markt, um dem LÖB-Markt in der Industriestraße Konkurrenz zu machen.

 

Bovenden hat sich damals rasant entwickelt, die Versorgung seiner Bewohner hat sich merklich verändert und wahrscheinlich verbessert. Manche Namen sind verschwunden, wenige Geschäfte sind noch immer in einer nächsten Generation präsent: Blumen Peters, wo mein Vater schon Blumen für seine Frau kaufte. Schuhhaus Burchhardt, früher dort am Feldtorweg, wo heute ein Frisör zu finden ist, wo wir als Kinder auch schon einmal ein 'Lurchi-Heft' erbitten konnten, ohne, dass auch ein paar Schuhe gekauft wurde.

 

Und wenn 'früher' nur ein Bahnbus auf der B 3 Richtung Norden ohne Umwege nach rechts oder links durch Bovenden fuhr, so ist heute der Göttinger Stadtbus zuverlässiger und bequemer Bestandteil des ÖPNV. Meine älteren Geschwister mussten die Herausforderung dieses besonderen Schul-, bzw. Fußweges von der B3 bis hinter den Berg noch zu leisten, wir jüngeren hatten es dann schon merklich bequemer.

Es gab rasante Entwicklungen im verkehrstechnischen Anschluss der neuen Baugebiete, doch auch schon wieder lange vergangen sind die Zeiten, wo es in der Grünberger Straße eine Haltestelle gab. An der später auch der extra eingesetzte Bus hielt, der die Göttinger Gymnasien mit den aus Bovenden stammenden SchülerInnen versorgte. Wahrscheinlich war zu der Zeit die Hecke um das Grundstück des langjährigen Bürgermeisters Wohlfahrt nicht wirklich zu beneiden. Denn Rangeleien unter den wartenden Schülern, nicht unter den Schülerinnen!, gehörten auch damals natürlich zum Erwachsen werden dazu.

 

Aber besonders war und ist Bovenden von viel Natur umgeben, noch gibt es große Agrarflächen und in kurzer Entfernung nur - natürlich den Wald, unseren Plessewald!

Und so war diese Gegend schon zu früheren Zeiten ein beliebtes Ausflugsziel für die Göttinger Bevölkerung und auch die Studentenschaft. Auf deren Spuren führten auch uns die Spaziergänge der ganzen Familie. Und es war wirklich ein schöner Weg über den Lohberg, durch die Felder Richtung Schweineberg, um dort im 'Letzten Heller' auf den grün gestrichenen Holz-Klappstühlen ausnahmsweise eine Limonade spendiert zu bekommen.

Den Spaziergang nach Eddigehausen kann man auch heute noch machen, den 'letzten Heller' jedoch gibt es als Lokalität schon lange nicht mehr!

Ja, und da hat das Kind damals schon einmal, ohne es natürlich zu ahnen, vorsichtig 'getestet', ob es hier, ganz in der Nähe dieser Schankwirtschaft, heimisch werden mag ...

 

 

Abschließend muss ich ein wenig selbstkritisch anmerken, dass sich meine Erinnerungen an die Jahre meiner Jugend in Bovenden vermischen, sie wollen sich nicht mehr recht zeitlich einordnen lassen.

Aber vielleicht darf das auch so sein, wenn man älter wird.

Wenn die Erinnerungen an längst vergangene Zeiten einen milden Schleier über alles Erlebte legen wollen und dürfen.

 

 

Vielen Dank für die Begleitung auf dieser kleinen Reise durch 'Erinnerungen an meine Kindheit in Bovenden'!

Und vielleicht dürfen ja meine Erinnerungen als eine Einladung wirken, selber einmal wieder die eigene Geschichte und Erlebnisse von 'früher' sichtbar werden zu lassen und ihnen nachzuspüren!

 

 

Bovenden im Juni 2021

 

 

 PS: In obigem Text sind noch einige Ungenauigkeiten und 'Fehler' enthalten, die bei Gelegenheit mit einer überarbeiteten Version korrigiert werden.

 

 Zur Beachtung: Alle Rechte liegen auch für diesen Text bei der Autorin, Vervielfältigung jeglicher Art nicht ohne schriftliche Genehmigung!

 


 

victim blaming

 

opfer bist du geworden

plötzlich und einfach so

 

 und du bittest um hilfe

in deiner not

 

ein gutes wort nur: – ein kleines lächeln nur: – ein zeichen nur:

wir sind da!

und du wartest auf hilfe in deiner not

 

 doch die, von denen du unterstützung erhoffst

sie treten nicht dir zur seite, nein

 

 die

dummen

schwachen

opportunisten

rückgratlosen

 

sie reden den tätern nach dem mund

und prügeln mit ihnen auf dich ein

 

 ja, statt dir zu helfen . . .

. . . verraten sie dich

 

 die, die früher an deiner seite waren

die, die sich einmal freunde nannten

die, die sich einmal familie nannten

 

 


 

wenn die luft schwindet . . .

 

aus so manchen

 popanzen

 &

 über-ichs

 

. . .

 

dann

 werden sie ganz schlaff & schlapp

 & sie werden ganz klein

 

ja, dann werden sie einfach nur

 klein und hässlich

 

 


 

es gibt momente und auch tage . . .

 

da denke ich ach,

ich habe es doch schon so oft

gedacht

gesagt

geschrieben

das will doch gar niemand mehr hören

 

. . . ich & meine sorgen . . . um die menschen . . .

. . . ich & meine bedenken . . . um die menschen . . .

 

doch dann schaue ich mich um in der welt

& ich erschaudere

erkenne & weiß

 

ich werde es immer wieder denken & sagen & schreiben

müssen

wollen

 

denn sonst

hätten 'sie' doch schon jetzt gewonnen

 

 


Frau *jott über Stroh in diversen (?) Erscheinungsformen

 

Frau *jott wusste aus langjähriger Recherche und Beobachtung,

 

dass auf einem Strohmann

in aller Regel ein gewaltiger Strohkopf saß !!!

 

 


 

Frau *jott über Leberwürste

 

Frau *jott war schon vielen traurigen Gestalten in ihrem Leben begegnet!

Doch ganz besonders wenig Respekt und so überhaupt keine Achtung hatte sie vor denjenigen Menschen, die eine beleidigte Leberwurst spielten.

 

Sie fand, dass das weder auf der Bühne eines Theaters noch im richtigen Leben eine ernsthafte und überzeugende Rolle sein konnte - schon gar nicht,

wenn nicht ein 3-jähriges Kind,

sondern ein erwachsener oder gar alter Mann das versuchte!

 


noch immer & immer wieder

 

siehst du es denn nicht ?

hörst du es denn nicht ?

spürst & fühlst du es denn nicht ?

 

immer wieder

& zu jeder zeit

& überall & an jedem ort

 

nutzen sie ihre macht

für ihre eigenen ziele

mal laut & offensichtlich

mal heimlich, still & leise

 

doch immer

auf kosten anderer

doch immer

auf unsere kosten

 


Eine Transfrau aus Ennepetal

meint, sie wäre so phänomenal.

Doch ihre Frau lacht:

Gib du mal fein acht,

denn bei Licht, bist auch du nur normal !“

Es litt eine Transfrau in Senden,

mein Leben, das will ich beenden !“

Und darin war viel Wut

doch daraus wurde Mut !

Nun trägt sie sich selber auf Händen …


Schriftstellerische Vita:

 

=> geboren 1958 in Göttingen, (Niedersachsen, Deutschland),

=> Abitur und Studium der BWL

=> nebenbei 1978-1980 Teilnahme am 'Lyrik-Workshop' von

Dr. Burckhard Garbe an der Georg-August-Universität, Göttingen

 

 

Lange Zeit haben die schriftstellerischen Ambitionen hinter u.a. den beruflichen Anforderungen zurückstehen müssen. Und so sind über die Jahre nur verschiedene kleinere Büchlein und Lyrik-Postkarten für die Familie, Freundinnen & Freunde und Bekannte entstanden.

 

Doch seit einiger Zeit gibt es endlich neue Texte von mir ...

 

 

Und das sind einige der Postkarten :